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Die Übertragung von Lotti Hubers Leseprobe dauert leider etwas länger, dafür können Sie dann ihre Handschrift sehen. Damit das Warten nicht zu langweilig wird - ein Gedicht:
Ein alter Mann beklagt sich über den Tod seiner schon lange nicht mehr geliebten Frau
Aber ... Jetzt ist sie tot, einfach weg Nun sitz ich da, bin starr vor Schreck Das hat sie bestimmt aus Gemeinheit gemacht Hört ihr, wie sie da oben lacht? Das geht mir mächtig an die Nieren Wer, wer wird mich jetzt so schikanieren so, wie sie es nur verstand? Wie sie mich immer reizte wenn sie beim Kaffeetrinken den kleinen Finger spreizte! Und dann hatte sie so eine Art, sich zu räuspern laut und verächtlich das ärgerte mich immer mächtig Und dann schnalzte sie knallend mit der Zunge Junge, Junge, Junge! Am liebsten hätt ich ihr den Hals umgedreht - aber dazu ist es nun leider zu spät Ja, und wie sie beim Essen immer schmatzte und mir den ganzen Appetit verpatzte Und im Bett da lag sie nun, dick und fett Das Nachthemd hättet ihr sehen sollen gnädig verdeckte es die schlaffen Titten meiner Ollen Und dann fing sie auch noch zu schnarchen an o Mannomannomann! Das war wirklich optimal aber egal, egal! Jetzt ist sie tot ließ mich allein mit meiner Not Was soll ich nur machen ohne sie? Das verzeihe ich ihr nie, nie, nie!!!
Lotti Huber: Jede Zeit ist meine Zeit

Ein Mann schleppt sich müden Schrittes die Landstraße entlang. Keuchend, nach Atem ringend, bleibt er stehen, dann bricht er zusammen unter der Last seines schweren Rucksackes. Aus dem Morgennebel tritt eine Frau auf ihn zu: "Was hast Du? Warum stehst Du nicht auf?" "Ich kann nicht", stöhnt der Mann, "die Last meines Rucksackes erdrückt mich." "Dann laß ihn liegen, und geh weiter." "Das kann ich nicht", jammert der Mann, "in ihm steckt mein Leben, meine Zeit." Die Frau schüttelt den Kopf: "Sieh nur, was Du Dir antust, wie Du daliegst, nennst Du das Leben?

Öffne den Rucksack, und sieh Dir Deine Zeit an, deren Sklave Du geworden bist." Der Mann tut, was ihm die Frau befiehlt. Der Rucksack ist voller Pakete, viele schon total zerfleddert, dennoch fest verschnürt. Mit einer großen Schere schneidet die Frau die Schnüre auf: "Schau, schau nur hin, was Du mit Dir herumschleppst! Lohnt sich diese Last?" Da liegt es vor dem Mann: vergangenes, gewesenes, vergilbtes Leben.

Der frische Morgenwind treibt den zerbröckelten Inhalt des Rucksacks vor sich her, weiter, immer weiter, bis er sich in der Ferne in Staub auflöst. Der Mann erhebt sich, dehnt seine Schultern und merkt, wie sie breit und stark werden. Und setzt seinen Weg fort. "Ja", ruft die Frau, "geh nur - geh weiter! Es gibt noch viel für Dich zu tun. Denn jede Zeit ist Deine Zeit."
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