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Drei Tage später rief er Connally in London an, um ihm mitzuteilen, daß Peggy tot war. "Wir können nicht so tun, als wären wir berechtigt, ein geruhsames Leben zu führen", sagte er. "Bist du betrunken?" fragte Connally. "Was sonst? Aber glaub mir, Peggy ist tot." Connally fuhr sofort nach Bottsville. "Wie lange wart ihr verheiratet?" fragte er John. "Glücklich waren wir ein knappes Jahr", antwortete John. "Erzähl mir alles, was dir einfällt!" "Mir fällt nichts ein", sagte John. Er war mit Peggy auf dem Fußweg nach Watts spazierengegangen, sie hatten gestritten, und John war allein nach Hause zurückgekehrt. Als Peggy am nächsten Morgen nicht da war, hatte er die Polizei verständigt, und die hatte sie zerschmettert in der Schlucht gefunden. "Du nimmst an, daß sie abgestürzt ist?" fragte Connally. "Sie war betrunken." "Und warum hast du sie in diesem Zustand allein gelassen?" "Ich war auch betrunken", erklärte John, "außerdem hat sie so geschrien, daß mir nichts anderes übrigblieb. Es kam mir fast so vor, als wollte sie mich loswerden." "Hm", meinte Connally, "glaubst du vielleicht, daß sie Selbstmord begangen hat?" "Schwer zu sagen. Der Polizist, der hier war, ist überzeugt, daß ich sie hinuntergestoßen habe. Ich habe ihm erklärt, daß ich sie gerne umgebracht hätte, daß ich sie aber nicht umgebracht habe. Daraufhin hätte er mich gerne verhaftet, aber er hat sich noch nicht getraut." "Du bist verrückt." "Keineswegs. Er wird mich verhaften, sobald er ein paar belastende Momente gegen mich gefunden hat. Da ist es egal, ob ich sie gestoßen habe, oder nicht." "Aber du hast sie nicht gestoßen?" "Dir kann ich es ja sagen: Nein, ich habe sie nicht gestoßen. Ich habe ja nichts davon, daß sie tot ist. Sie lebt weiter, heftiger denn je." Connally fuhr nach Watts, um mit dem diensthabenden Inspektor zu sprechen. "Ich bin mit Mister Greenway in die Schule gegangen", erzählte er ihm, "ich kenne ihn gut. Er hat seine Frau bestimmt nicht getötet." "Wir sind der gegenteiligen Überzeugung", sagte der Inspektor. "Nach unseren Ermittlungen scheiden Selbstmord und Unfall aus. Wenn Sie uns helfen wollen, sagen Sie uns etwas, was den Verdacht gegen diesen Deutschen erhärtet." Daraufhin fuhr Connally zurück zu John und redete ihm ins Gewissen. "Denk nach!" beschwor er ihn. "Fällt dir kein Grund ein, warum Peggy Selbstmord begangen haben könnte?" "Lieber Freund", sagte John gelassen, "Selbstmörder brauchen keine Gründe, das weiß jedes Kind. Sie bringen sich um, weil sie sich umbringen wollen. Aber Peggy war nicht so. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie in die Schlucht gesprungen ist." "Es wird dir nichts nützen, daß du in deiner eigenen Welt lebst", erwiderte Connally, "du mußt dich in die Welt der englischen Gesetzgebung versetzen, und das heißt: Du mußt einen Grund finden, warum Peggy sich umbringen wollte oder warum es ein Unfall gewesen sein könnte. Sonst wird man dich als ihren Mörder verhaften." "Ich werde mich dir zuliebe bemühen", sagte John, "aber ich fürchte, ich kann ebensowenig aus meiner Welt in eine andere springen, wie es die Polizei kann." "Noch etwas: Rauchst du wieder?" "Nein", sagte John, "Peggy hat leere Aschenbecher mit Zigarettenresten angefüllt und sie in mein Zimmer gestellt. Ich weiß nicht warum." Gemeinsam gingen sie in Johns Arbeitszimmer. Es roch nicht nach Rauch, und es waren keine Aschenbecher zu sehen. "Du kannst alles durchsuchen", sagte John. "Nachdem du fort warst, hat Peggy die Aschenbecher herausgeholt und die Zigarettenreste weggeworfen." "Gut", meinte Connally, "wenn du gestattest, werde ich suchen." Er ging zu einem etwas abseits stehenden Aktenschrank und öffnete eine Schublade. In der Lade lag ein Revolver. "Seit wann hast du einen Revolver?" fragte er. "Einen Revolver? Ich habe noch nie einen Revolver besessen." "Das klingt nicht gut", erklärte Connally. Er nahm den Revolver heraus und entschärfte ihn. "Wenigstens habe ich jetzt deine Fingerabdrücke entfernt", sagte er. "Ich wußte es", erwiderte John, "Peggy lebt." Connally versuchte, ein treuer Freund zu sein, und betrank sich mit John. Als beide zu ihren Betten stolperten - Connally mußte in Peggys Zimmer und in ihrem Bett schlafen -, sagte John: "Nachdenken ist ein Fehler. Glück muß man haben." Drei Stunden später setzte sich Connally kerzengerade im Bett auf. Er hörte ein Auto starten, sprang aus dem Bett und lief zum Fenster. John fuhr soeben den holprigen Weg zur Straße hinunter und bog rechts ab nach Watts. Es war ein Uhr früh. Wohin fährt er mitten in der Nacht? fragte sich Connally. Einen Moment lang dachte er daran, in sein eigenes Auto zu springen und John nachzuspionieren, aber dann verwarf er den Gedanken. Zu dieser Nachtzeit gab es kaum Straßenverkehr, und John hätte ihn gewiß entdeckt. Zum Frühstück war John wieder da, und Connally entschloß sich, Johns nächtlichen Ausflug vorläufig ruhen zu lassen. "Ich würde nie einen Revolver kaufen", plauderte John, "ich könnte im Suff versucht sein, ein Karussell oder drei Dutzend Schildkröten zu kaufen, aber einen Revolver - ausgeschlossen!" "Hast du Peggy gehaßt?" fragte Connally. "Ich habe sie sogar manchmal geliebt", antwortete John. "Ich kam mir nur dumm vor, weil ich eine Frau geheiratet hatte, die nicht den geringsten Versuch machte, mich zu verstehen." Connally fuhr zurück nach London. Vorher berichtete er dem Inspektor in Watts, daß er einen Revolver gefunden und entschärft hatte. Der Inspektor war begeistert. "Aber Sie hätten ihn liegenlassen sollen", tadelte er, "vielleicht hätten wir Greenways Fingerabdrücke darauf gefunden." "Ich weiß", sagte Connally müde. In London beauftragte er einen seiner Assistenten, nach Bottsville zu fahren, um John zu beschatten, und am gleichen Abend besprach er die Angelegenheit mit seiner Frau. "Es ist ganz, ganz scheußlich", befand Miss Connally, "mir war Peggy immer sympathischer als John. Wie konnte er nur so etwas tun!" "Deutsch bleibt deutsch", erklärte Connally.
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