Ich sagte, er war beleibt und glatt, das stimmt; doch jetzt, wo wir ihn in Höhe der Taille und in Großaufnahme sehen - noch ein Schritt, und er verpaßt uns mit seinem ausgebeulten feuchten Tanga einen Stoß -, drängt sich einem als Attribut ein Wasserbad auf: Vom vorgewölbten weißen Bauch bis zum kaum beschatteten Dreieck - er hat kein einziges Haar auf dem Körper -, das den Leckerbissen enthält - nebenbei gesagt, ziemlich winzig im Verhältnis -, hängen vier gleichmäßig abnehmende, überlappende Terrassen herab, aus einer Art feinem Fettgewebe, wie eine Grottendecke, geschichtete Lava oder das Stuckrelief einer neapolitanischen Grabkapelle des Rokoko.
Nach diesen furchteinflößenden Faxen, mit den einschlägigen Superlativen ausgiebig gefeiert, einem kurzen Aufjammern und selbst ein paar gymnastischen Seufzern im Hinterzimmer, wandte sich der geschwellte Nippone wieder seinem vermeintlichen Opfer zu, um es abermals herabzuwürdigen und zu demütigen, diesmal in einem vom Nara-Dialekt schwerfälligen Spanisch und nach den Geboten einer uralten vertrackten Rhetorik, verquickt mit unförmigen Figuren, unheilvollen Tieren, unwiderruflichen Beschwörungen, Unflat und Magie.
Kolibri rückte in die Mitte des Podiums vor, nackt, im Rausch; ein verwegenes Auflachen und ein Mamboschritt bekundeten seine Verachtung.
Ein paar Karatelehrlinge, verdutzt von dem gutturalen Gezeter und dem gellenden Inventarium des Obernipponen, verfolgten seine gewundenen Paraden von der Küche aus dank mündlicher Übermittlung; ein Sprecher in Schürze und mit fettiger zylindrischer Mütze beschrieb - übertrieben-gönnerhaft, sportlich knapp und mit einem Anflug von Schwulst zugleich - die Heldentaten des Orientalen.
Der Niedergang der Ringkampfkunst, Spiegelbild der allgemeinen Wirtschaftskrise, hatte die ungeduldigen milchbärtigen Athleten in den Parameter* des ersatzweisen Geschirrspülens verbannt; diese Abwaschklausur durften sie erst verlassen, wenn die schon eingefetteten, notdürftig aufgerichteten Waffen der letzten Jäger - der am wenigsten kriegstüchtigen, versteht sich - auch die widerspenstigsten, am meisten ihren Petrodollars und dem Kampf zugeneigten Wale erlegt hatten.
So kamen die Fans des Ungezähmten, runzlig von der Waschlauge, skorbutisch und bleich, erst hervor, als die Nacht bereits ihre Farbe
wechselte.

* Neukubanischer Fachjargon. Diejenigen, die trotz ihrer Tauglichkeit, die höchsten Posten zu bekleiden, in den "ideologischen Diversionismus" verfallen oder in ihre perverseste Variante, den Uranismus, werden von heute auf morgen "parametriert": zur Säuberung der Latrinen und Kloaken oder als Aushilfe für die ordentlichen Totengräber, wenn durch die perfide Anophelesmücke das virale Denguefieber wütet.

Geblendet von seinem eigenen Gegaukel oder von dieser schmähenden Kakophonie, die er mit uraltem Kriegerverstand für unangreifbaren Zauber oder giftige Mantras hielt, stürzte sich der Herr aller Hebel, kaum hatte er ihn vor sich, auf seinen flachsblonden Feind.
Er attackierte von vorn, blindwütig trampelnd, Beine und Arme gespreizt; die ungeduldigen, geschmeidigen Finger, Krebsscheren, knautschten einen imaginären Gummiball oder probten frohlockend eine meuchlerische und wohlbemessene Erdrosselung, wie jemand, der ein Ringeltäubchen würgt, bis er es knacken spürt.
Um das schutzgewährende Schillern der Tiefseefische zu erzielen, die ihre Feinde mit dem Glitzern ihres Körpers blenden - und, unter uns gesagt, auch, um mit einem changierenden Lack aus pulverisiertem Perlmutt und Metall die verzärtelten Zimperlappen aus der Kü-che zu betören -, hatte er sich seine aufgeschwemmte Schwarte mit einem dickflüssigen Öl eingeschmiert, blaugeädert, ein harziger Schmelz und zwei abstoßende, widerstreitende Gerüche: Kampfersalbe und Dior-Extrakt.
Mit dem ersten Armhebel versuchte der Große Schimmerling, das Vögelchen zu lähmen.
Die verzückten Topfgucker kommentierten in einem kollabierenden Schwafelschwall nach Art der Sportreporter, ohne Atemholen oder Zäsur, den Schwitzkasten und seine Auflösung: "Die wackeren Ringer geben eine feurige Probe ihres Muskelspiels, gehen in den Clinch, verkeilen sich, versuchen aus der Umklammerung heraus den anderen niederzuzwingen, stürzen zu Boden; ein Hebel verdreht dem Hans-schwirr-in-der-Luft den rechten Arm, doch der befreit sich mit einem Sprung, läuft zur Wand, attackiert mit geschlossenen Beinen den prallen Bauch seines Rivalen; wieder stürzen sie, schrauben sich ineinander."
In der Übertreibung seiner Schutzmaßnahmen lauerte längst die Niederlage des Fudschijama. Als der perlenglatte Plumpsack ihn gerade umschließen wollte wie eine gewaltige, erstickende Muschelklappe, gelang es Kolibri dank ebenjener glänzenden Vaseline, die seine Sinne umnebeln sollte, den erdrückenden Stempeln zu entschlüpfen wie eine verschreckte Antilope den sich zusammenziehenden Muskeln einer Boa constrictor.
Als er sah, daß der Vogel ihm aus den Händen glitt und sein wortgewandter Firlefanz ihn keineswegs einzuschüchtern vermochte, beschloß der Weiße Riese, fest davon überzeugt, daß er ihn nicht direkt zu packen bekäme - ebensowenig wie den Kranich beim Reisfest oder die Erleuchtung -, die Strategie der Kettenwidersprüche anzuwenden: die Versöhnung der Gegensätze, von den mythischen Urstreitern für unfehlbar erklärt, um jedem Kampf, der sich zu Unrecht gegen den Besseren zu entscheiden droht, eine plötzliche Wende zu geben.
Hokkaido zeigte dem Feind die Schulter. Kolibri rieb sich den rechten Arm und schnupperte mit angeekelter Grimasse an seiner geschmierten, phosphoreszierenden Hand; die morbiden Moby Dicks, der ganzen abgeschmackten Spiegelfechterei schon überdrüssig, wurden von fröhlichem Gelächter geschüttelt, als hopsten sie auf einer riesigen, erfrischenden Welle.
Ein paar von ihnen, putzmunter und stolzgeschwellt, fauchten in einem schäumenden, vertikalen Strahl ihr Getränk in die Luft; vergeblich versuchten sie es mit dem Glas wieder einzufangen: Sie wurden patschnaß unter einem Geysir aus Gin frappé.
Mit offenen Händen faßte Kolibri nun an ein Szepter - eine zwar königliche, aber unzulängliche Metapher -, das die Heftigkeit der Übung oder der verborgene Furor genetzt hatte; mit diesem flüssigen Kristall cremte er sich das Gesicht ein; dann strich er sich auch das Haar glatt. Und bestellte noch einen Bacardi.
Währenddessen rückte der Weiße Bomber wie unbeteiligt an die Rampe vor, wo er dreist einen leichten Schwindel vortäuschte, dumpfe Muskelschmerzen oder den Kater nach einer fröhlichen Sause.
Bevor er wie der Blitz auf das kleinteilige Winterfresko zuschoß, vor dem Kolibri - von jenem "raffinierten Spiel der Weißtöne" in eisigen Dunst gehüllt - unverfroren einen Mambo tanzte.
Von Amphibiengeistern angetrieben oder von der Kraft, die der Haß verleiht, setzte der Orientale, als er die verschneiten Tannen erkennen konnte und vor ihnen den tanzenden Kolibri, zu einem verheerenden doppelten Salto mit eingedrehtem Doppelaxel an, dessen bogenförmiger Anflug das versonnene Inselvögelchen unter den kapitalen Säulen seiner Schenkel zermalmen oder am unteren, dem pingeligsten Teil des Freskos zerquetschen sollte.
Im folgenden nun, aus der Küche beobachtet und mit mühsam unterdrücktem Tremolo kommentiert, das Geschehen des vorangegangenen Absatzes - während gleichzeitig die Soße der Calamares in ihrer Tinte, gierig verquirlt, alles bespritzte und der Bohnenreis in der Kasserolle anbrannte:
"Ein Schritt zurück, majestätisch, energisch, um Anlauf zu nehmen. Vier ausladende, überzeugende Schritte: ein assyrischer Bodenakrobat. Ein Brüllen, und die Erde bebt. Der Glitzergigant schraubt sich in die Luft ..."
Den Walen verschlug es die Sprache; die Luft abgeschnürt, stocksteif. Die Zeit blieb stehen. Ein Glas zersprang.
Als er in die Umlaufbahn geschossen war und seine Reisegeschwindigkeit erreicht hatte, nunmehr bereit, die Kapriole im Quadrat zu schlagen, schielte der Akrobat nach seinem Ziel.
Was ist denn jetzt los? Wo ist Kolibri? Siehst du ihn? Ich nicht. Ist er durch eine Geheimtür verschwunden, eingelassen in die Wand, verborgen und verfugt durch die nasführende Winterlandschaft? Ist er geflüchtet? Davongeflogen? Hat er sich in Luft aufgelöst? Hat der auf die pralle Haut des Boliden aufgetragene diabolische Balsam - mittlerweile zu einem klumpigen Kleister mit sprühenden Phosphorfunken verkommen, Augen eines erstickten Seehechts - seine transparente Patina und seine höhnische Unsichtbarkeit auf den schwerelosen Schwirrmatz übertragen? Vielleicht haben aber auch - letztmögliche Hypothese, die Zeit drängt - die pummelige Albinozwergin und die großköpfige Riesenschlakse, diese ausgekochten Zotteljulen, mit ihrem sprichwörtlichen Geschick für alles Figurative, das sie, nebenbei gesagt, nur im Dienste des Betrugs und der Simulation einsetzen, mit blitzendem Pinselstrich, deckungsgleich mit dem Wandgemälde, auf die Füße Kolibris das unbewegte Ufer eines Wintersees gemalt; auf die Beine, hoch bis zur Taille, das grauschimmernde Wasser; auf die Brust einen fernen Horizont und das im Nebel versinkende Gebirge; auf sein Gesicht den weißen Himmel, gleichförmig, konturenlos, ohne Mitte. Im Vordergrund spannt sich ein reifbedeckter Kirschzweig quer über seine Stirn. Und darauf hockt bibbernd - Vogel auf Vogel - eine Wachtel.

Was ist aus Kolibri geworden? Ich weiß es nicht. Keiner hat ihn gesehen. Wen wir aber alle gesehen haben - und zwar zur Genüge, schließlich ist er allgegenwärtiger als weißer Reis -, ist unser schlitzohriger Henry Moore, der langsam seinen Zenit erreichte und dort - plumpes Sinnbild seines Schicksals - gleichzeitig unter und hinter sich schaute. Solchermaßen die Welt im Silberblick, begann er seinen Landeanflug, Hals über Kopf, ohne Hand und Fuß, der sich nach den Gesetzen, die seine Masse auf der elliptischen Umlaufbahn steuerten, immer mehr beschleunigte, je näher er dem Panorama kam.
Gegen dessen Gletscher er, nach einem kurzen Blackout, schmetterte.
Selbstverständlich hat die Wand nicht die kleinste Tür, es ist weder ein Guckloch noch ein Riß im Fresko, noch irgend etwas sonst, das uns erlaubte, hinter die Abbildung zu gelangen; daher habe ich auch nicht die geringste Ahnung, wie der Himmelsstürmer im einzelnen stürzte, gegen welches Eisrelief, welchen Stamm, welchen stilisierten Schlitten, welches verspielte Eichhörnchen mit seinen Nüssen, gegen welche Tanne oder Troddel sein gewölbtes Rückenpolster prallte.
Aus der Perspektive des Publikums - zunächst angstschlotternd, beim Mißgeschick dann jubelnd und nun, wie immer den Gestrauchelten gegenüber, verächtlich und bissig - sieht man, wie er sich mühsam aufrichtet, als hätte man ihm Glassplitter und Zitrone auf die Knie gerieben.
Unter reglosen weißen Holzmasken fordern uns die Akteure im antiken kaiserlichen Theater mit beredten Bewegungen und rauhen Stimmodulationen auf, das Gefühl kosmischer Harmonie zu entschlüsseln, das Entsetzen und die Wollust, die Ungeduld oder den Haß; und so ist es die verklingende Langsamkeit, mit der er sich erhebt, das unrhythmische Schnauben des Ikarus - ein Kind, das eben noch geweint hat -, was uns dazu bringt, einen Schmerz auf sein Gesicht zu projizieren, der es zu verzerren scheint, obwohl es eigentlich in pompöser Starre verbleibt.
Schon ist er wieder auf den Beinen, den Blick gesenkt. Heil. Marmorstatue. Unverletzt. Nein, schau genau hin! Von seiner rechten Augenbraue - ein geschwungener, breiter Kohlestrich, Kometenschweif oder Initiale eines Kalligraphen - kullert ein Blutstropfen auf das geschlossene Kreidelid, ein Rinnsal, gespeist aus der winzigen purpurroten Quelle, immer schneller, über die Wange, den breiten Hals entlang, windet sich den Rumpf hinab, liniert die Hüfte und den Oberschenkel und zerteilt so, eine Anschauungstafel der Akupunktur, das blessierte Abbild des Champions in asymmetrische Flächen.
Mit einer halbrunden Nadel, ausgekocht in einem Sud von Eukalyptus und Zimt, nach einem Blick in das verblaßte Brevier eines Schamanen und einem Wischer mit dem essiggetränkten Scheuerlappen zur Desinfektion, nähten die - nunmehr etwas erlahmten - Verehrer, nachdem sie in der Küche eine passende Hängematte gespannt hatten, die Wunde mit drei parallelen, sich verjüngenden Stichen, welche die Braueninitiale in die versengte Hieroglyphe einer gescheiterten Revolte verwandelten.
Sie legten Mützen und Schürzen ab. Kämmten sich rasch, ohne Spiegel. Dann löschten sie das Licht. Sie vergaßen die Deckel neben den Töpfen, an denen sich die Katzen gütlich taten. Und ließen ihn allein, sich wiegend, bis er eingeschlafen war.