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João Cabral de Melo Neto: Der Fluß . .
_Foto: Maureen Bisillat
I Landschaft des Capibaribe
Die Stadt wird von dem Fluß durchzogen wie eine Straße von einem Hund durchzogen wird; wie eine Frucht von einer Klinge.
Bald erinnerte der Fluß an die zahme Zunge eines Hundes, bald an den traurigen Bauch eines Hundes, bald an den anderen Fluß wäßriger Schmutzlappen aus Hundeaugen.
Jener Fluß war wie ein Hund ohne Federn. Nichts wußte er vom blauen Regen, von der rosafarbenen Quelle, vom Wasser im Wasserglas, vom Wasser des Kruges, von den Fischen des Wassers, vom Wind im Wasser.
Er wußte um die Krebse aus Morast und Rost. Er wußte um den Schlamm wie um eine Schleimhaut. Er wußte wohl um die Tintenfische. Er wußte sicherlich um die fiebrige Frau die Austern bewohnt.
Jener Fluß erschließt sich nie den Fischen, dem Glanz, der Unruhe von Messern die sich in Fischen findet. Nie erschließt er sich in Fischen.
Er erschließt sich in Blumen arm und schwarz wie Neger. Er erschließt sich in einer Flora schmutzig und bettelhafter als es schwarze Bettler sind. Er erschließt sich in Mangroven aus harten Blättern und kraus wie ein Neger.
Glatt wie der Bauch einer fruchtbaren Hündin wächst der Fluß ohne je zu bersten. Der Fluß kommt flüssig und wirbellos nieder wie eine Hündin.
Nie sah ich ihn schäumen (wie gärender Brotteig schäumt). Schweigend trägt der Fluß, schwanger von schwarzer Erde, seine arme Fruchtbarkeit.
Schweigend gibt er sich: in Umhängen aus schwarzer Erde, in Stiefeletten oder Handschuhen aus schwarzer Erde für den Fuß oder die Hand die eintaucht.
Wie es bisweilen bei den Hunden geschieht, schien der Fluß stillzustehen. Dann flossen seine Wasser dichter und lauer; flossen mit den dichten und lauen Wellen einer Schlange.
Dann hatte er etwas vom Stillstand eines Irren. Etwas vom Stillstand des Hospitals, der Strafanstalt, der Armenhäuser, des schmutzig-stickigen Lebens (der schmutzig-stickigen Wäsche) durch das er sich schleppte.
Etwas vom Stillstand angefaulter Paläste, angefressen von Schimmel und Vogelkraut. Etwas vom Stillstand feister Bäume, vertropfend den tausendfältigen Zucker pernambukanischer Speisezimmer, durch die er sich schleppte.
(Und dort, doch mit dem Rücken zum Fluß, brüten »die großen geistigen Familien« der Stadt die dicken Eier ihres Geschwätzes aus. Im runden Frieden der Küchen seht sie lasterhaft rühren in den Töpfen ihrer zähflüssigen Faulheit.)
Sollte das Wasser jenes Flusses Frucht eines Baumes sein? Warum schien es reifes Wasser zu sein? Warum, immer, als ließen sich Fliegen auf ihm nieder?
Jener Fluß hüpfte er fröhlich irgendwo? War er Lied oder Quelle irgendwo? Warum also seine Augen blau gefärbt auf den Landkarten?
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